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Bauer Studios Ludwigsburg

Komplettumbau des ältesten deutschen Privatstudios – im Zuge der Übernahme der Bauerstudios (gegr. 1949) durch Bettina Bertók, Philipp Heck und Michael Thumm wurde das Studio 2 bis auf den Rohbau zurück- und neu aufgebaut.

Bei den Änderungsmaßnahmen im bereits bestehenden Tonstudio in der Markgröninger Straße in Ludwigsburg kann man wahrlich von einem Komplettumbau sprechen. Am Anfang stand nämlich der Entschluss, die bisherigen Aufteilung in Aufnahme- und Regieraum zu vertauschen, so dass in der alten Aufnahme die neue Regie entsteht und umgekehrt. Der dadurch entstehende neue Regieraum hat durch diesen Tausch eine recht ansehnliche Größe, die einiges an Möglichkeiten eröffnet und andererseits dadurch natürlich auch einen sehr hohen Anspruch an das akustische Endergebnis des Raums definiert.

Unsere Leistungen bei diesem Projekt umfassten die Planung der Bau- und Raumakustik, die Erstellung der Schallschutzwände, den Einbau der raumakustischen Maßnahmen wie Bassfallen, Breitbandabsorber, oder Diffusoren sowie das Einmessen der Regie.

Weitere technische Herausforderungen bestanden in der Tatsache, dass die Zugangstür, durch die der Studiobereich betreten wird, früher direkt in den Regieraum führte, was kein Problem darstellte, mit der neuen Aufteilung der Räume jeden Besucher des Studios aber erst einmal mitten in den Aufnahmeraum gebracht hätte. Um trotzdem störungsfreie Aufnahme durchführen zu können, musste daher noch ein neuer Korridor vom Aufnahmeraum abgetrennt werden. Die übrigen Wände des neuen Aufnahmeraums genügten den Ansprüchen an den Schallschutz, allerdings gab es an der Decke, die gleichzeitig das Gebäudedach bildet, eine Lichtkuppel aus dünnem Kunststoff, die zum einen nur relativ schlechte Schalldämmwerte bot und die zum anderen bei Regen oder Hagel leicht Störgeräusche produzieren konnte. Wir haben daher den Raum mit einer zusätzlichen abgehängten Decke mit Lichtausschnitt unter der bestehenden Lichtkuppel ausgestattet, so dass der Tageslichteinfall in den Raum erhalten werden konnte. Der Aufnahmeraum genügt GK 15 nach IRT 1.11-1/1995.

Zudem sollte für beide Räume eine neue Lüftungsanlage installiert werden, was bei den endgültigen Raumgrößen (neue Regie ca. 140m³, neue Aufnahme ca. 62m³) eine schon etwas größere Anlage bedeutete. Einer der ersten Schritte war daher, einen Platz für die neue Lüftungsanlage zu finden. Dieser war relativ schnell gefunden, indem vor die Rückwand der neuen Regie eine Vorsatzschale gestellt wurde, hinter der die Lüftungstechnik dann verschwinden konnte. Da dieser neu entstandene Technikraum nicht komplett von der Lüftung beansprucht wurde, haben wir den Platz darin zusätzlich genutzt, indem wir die Bassfallen vom Typ B650 an der Regierückwand nicht wie sonst meist üblich in den Raum gestellt, sondern in die neu entstehende Wand integriert haben, so dass diese Module vorne bündig mit der Wand abschließen und nicht in den Regieraum hinein ragen.

An den Seitenwänden haben wir große, durchgehende Flächen eingesetzt, die komplett mit Stoff bespannt wurden, so dass diese Bereiche nicht zu unruhig wirkten. Hinter der Stoffbespannung wurden vor allem breitbandige Absorber untergebracht, die durch die Materialauswahl und die große Bautiefe auch im Bassbereich noch gut wirksam sind. Im hinteren Teil der Regie haben wir unsere D300 Diffusoren aus Vollholz installiert, die Flatterechos vermeiden und für ein natürliches und definiertes Klangbild sorgen. Die Deckenabsorber sind in Format und Verteilung so angelegt, dass Platz für Deckenlautsprecher bleibt und der Raum auch für immersive Audio genutzt werden kann. Des Weiteren befinden sich ein Projektor und eine elektrische Rollleinwand, die bei Bedarf abgesenkt wird, an der Decke.Die Regie genügt EBU tech327.

Für die Akustik im Aufnahmeraum wurden vor allem A115 Module an der Decke und A115-HR Module an der Wand genutzt. Das Kürzel „HR“ steht hierbei für „high reflection“ und bedeutet, dass diese Absorbermodule mit einer gelochten Holzplatte an der Vorderseite ausgestattet sind, wodurch im hochfrequenten Bereich noch ein gewisses Maß an Reflexion zugelassen wird. Dadurch gelingt es, einen solchen Aufnahmeraum mit einem zwar kontrollierten, aber nicht vollständig „toten“ Raumklang zu versehen.

Ein besonderer Aspekt bei diesem Projekt war neben der guten Akustik auch die Gestaltung und vor allem die entsprechenden Lichtinstallationen. Unter anderem haben wir hierzu die Stufen des Podests in der Regie, einige der Regie-Deckenabsorber und den Bereich des Deckenfensters in der Aufnahme mit Farbwechsel-LEDs ausgestattet, die alle drahtlos per Fernbedienung kontrolliert werden. Die Möglichkeit der Farbeinstellung erlaubt viele verschiedene Stimmungen zu produzieren und im Aufnahmefenster gibt es durch diese Installation zudem die Möglichkeit die eigentliche Tageslichtquelle auch nach Sonnenuntergang noch zu beleuchten.

Ebenfalls für Lichtinstallationen genutzt wurden die im Trockenbauverfahren hergestellten Kanäle entlang der oberen Längskanten in der Regie, in deren Unterseite Strahler eingelassen wurden, welche die Stoffoberflächen beleuchten und insbesondere mit den von oben angestrahlten Diffusoren ein interessantes Licht- und Schattenspiel ergeben.

Ein weiteres schönes Detail der Gestaltung bilden die Wände im neu entstandenen Korridor. Dieser besteht auf einer Seite aus der durch uns neu erstellten Trennwand und auf der anderen aus einer unverputzten Betonwand mit einigen Abnutzungsspuren. Dadurch, dass die alte Bestandswand in dieser Optik erhalten wurde, entsteht eine Art symbolischer Übergang zwischen dem alten Gebäude, innerhalb dessen Mauern schon so manche Produktion in der Vergangenheit entstanden ist und dem neu gestalteten Bereich, mit dessen moderner Technik dieses Studio auch für künftige Projekte gut gerüstet ist.

Weitere Informationen

www.bauerstudios.de

Fotos: Steffen Schmid

CAD Längsschnitt durch das Bauer Studio 2

CAD Längsschnitt durch das Bauer Studio 2

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